Island 2002
5. April 2007Da ich momentan weder Zeit noch Lust zum bloggen habe, sich aber dauernd alle beschweren, gibts jetzt mal einen Blogeintrag aus einer Zeit wo es noch garkeine Blogs gab. Folgenden Text hab ich beim Aufräumen gefunden, er handelt von einem Wochenendurlaub auf Island, den ich damals mit meinem Kumpel Michael von Paris aus gemacht hab.
Island ist einfach unglaublich schön, und die 2einhalb Tage die wir (ein Kumpel und ich) da waren haben mir gereicht um mich restlos in die Insel zu verlieben.
Wir sind Freitag Nachmittag bei regnerischem Wetter hier losgeflogen (dreieinhalb Stunden Flug), und über der ganzen Nordsee war ein einziger Wolkenteppich. Aber sobald die Insel in Sicht kam, waren alle Wolken verschwunden und wir sind in strahlendem Sonnenschein mit völlig blauem Himmel in Reykjavik gelandet.
Dann erstmal eine Stunde mit dem Bus in die Stadt rein (der FH ist ziemlich weit weg). Abends haben wir dann schon mal eine gute Kneipe gefunden, waren aber gegen Mitternacht zu Hause weil wir am nächsten Morgen erst mal eine Touristenrundfahrt gebucht hatte. Die war auch super, wir waren bei den Geysiren, und haben die atemberaubende Landschaft bewundert. Mir hat einer der Wasserfälle (”Gullfoss”) am meisten gefallen, ich hätte da eine Stunde herumstehen und den nur anschauen können.
Die Temperaturen waren um den Gefrierpunkt, aber es war gut windig (15-18m/s, bei uns heißt sowas Sturm), und die Gischt ist dann an den Felswänden, an Grashalmen, Steinen etc. gefroren, so dass alles mit Eiskristallen geglitzert hat und überall Eiszapfen und bizarre Strukturen waren. Und das Wasser fällt in einen Canyon hinein so dass das ganze auch noch richtig Krach macht und entsprechend furchterregend aussieht. Aber eigentlich kann man es nicht beschreiben, man muss es selber sehen.
Unser Tourist-Guide war ziemlich gut, davon abgesehen dass er etwas schleppend gesprochen hat, war das was er erzählte wirklich interessant. Dann waren wir noch an der tektonischen Kontinentalgrenze zwischen Amerika und Europa, da kann man einfach so durchwandern, es ist halt so ein Riss in der Erde aber brodelnde Lava sieht man dort (leider
nicht.
Auf der Tour haben wir dann so ein finnisches Mädel kennengelernt und mit der sind wir dann abends wieder in unsere Kneipe gegangen, die sich zu unserer Überraschung als Disco entpuppte (auf der oberen Etage). Wir waren vorher noch in einer anderen Kneipe gewesen (man will ja nicht immer das selbe machen) aber da war’s uns zu teuer. Island ist _furchtbar_ teuer, egal was oder wo Du kaufst. Irgendwo hab ich gelesen, dass sie das Land mit dem höchsten Lebensstandard in Europa sind und das merkt man auch. Isländer sind sehr gebildet, alle sprechen Englisch, die meisten Deutsch, viele Dänisch, Französisch, Schwedisch, Norwegisch etc., und die Preise sind halt astronomisch.
Leider entpuppte sich unsere Bekanntschaft als Tanzmuffel und als wir dann nach oben gingen war sie schlecht gelaunt, aber irgendwie waren wir auch ganz froh sie loszuwerden…
Und in Island ist einfach JEDE einzelne Frau blond. Es war einfach paradiesisch
Am nächsten Morgen haben wir uns mit schon größeren Schwierigkeiten und großen Ringen unter den Augen aus dem Bett gequält und sind zur “blauen Lagune” gefahren. Das ist ein künstlicher warmer See. In Island werden natürliche heiße Quellen als Kraftwerke genutzt und da gibt’s eins wo man das Abwasser halt im Boden versickern lassen wollte. “Leider” ist es nicht versickert, also hat man kurzerhand ein Schwimmbad draus gemacht. Das Wasser stinkt fürchterlich nach Schwefel (tut’s aber überall auf Island, selbst aus der Dusche kommt das Zeug. Ist beim Zähneputzen unangenehm, man muss sich halt sagen “nein, es sind keine faulen Eier und Bakterien und Fäulnis, es ist einfach nur elementarer Schwefel und da wo der herkommt überlebt garantiert kein einziger Keim” und dann geht’s!), und man kann nur 2-3 cm unter die Oberfläche schauen, aber es soll gesund sein. Ist halt extrem Mineralhaltig.
Nachmittags hatten wir dann ein Auto gemietet (Nissan Almera, selten ein langweiligeres Auto gefahren, nen Motor wie ne Schlaftablette und ein Fahrwerk wie das dazugehörige Wasserbett) und dann kam der absolut beste Teil der ganzen Reise. Wir sind einfach ziellos an der Südküste entlanggefahren. Es war inzwischen selbst für Island ziemlich windig (18-21 m/s, das was man bei uns einen kleinen “Orkan” nennt). Jedenfalls war der Seitenwind beim fahren übel, schneller als 100 war an manchen Stellen gefährlich. Aber alles in allem ging’s so gerade noch. Wir haben versucht zur Steilküste hinzufahren, aber das ging nicht, erstens hat der Wind Staub aus dem Landesinneren nach Süden geweht, so dass man quasi nichts sehen konnte also nicht wie Nebel aber absolut keine Fernsicht), damit wäre die Küste sowieso irgendwie witzlos gewesen. Aber dann war da auch noch so ein Fluss im Weg und wir hatten keine gute Karte und dann haben wir es gelassen. Aber dabei haben wir die Winzigkeit der Städte dort mitbekommen. Die größte Stadt im Süden [mit einem genauso unaussprechlichen Namen wie alles dort; witzig war immer wenn der Reiseführer einen Tag vorher Namen gesagt hat, “We’re gonna drive to *mumble, mumble*, where we can see the famous *nuschel-nuschel*-falls. Further information can you see on www.mumble-mumble.is”. Er hat es wirklich SO gesagt und NICHT Buchstabiert
hat 5000 Einwohner, alles über 800 EW heißt Stadt. Aber dort gibt’s immer nen Supermarkt, oft ne Kirche, Cafe, Tanke, Boutiquen etc. denn die Leute können halt nicht “mal eben” rüber in die nächstgrößere Stadt.
Trotzdem nichts wo ich leben wollte - zu abgeschieden. Weiter ging’s dann zum höchsten Wasserfall Islands, dem *mumble-mumble*, aber bevor wir dort ankamen sahen wir einen anderen, der viel schöner war. Man konnte hinter dem Fall hergehen, und auch hier wieder diese Eisglitzer-Landschaft drumherum. Mann konnte sich auch auf so einen Felsvorsprung stellen, und weil dann um einen herum nichts außer Wasser war konnte man nicht nur einen RegenBOGEN sondern den ganzen RegenKREIS sehen, nur unterbrochen durch die eigenen Füße! Dann sind wir weitergefahren. Das Szenario war einmalig, rechts der Strasse Ebene die irgendwann aufhörte weil’s da zum Meer runterging, links steile Kliffs wo ab und zu Wasserfälle aus den Gletschern runterkamen, und die Strasse kilometerweise geradeaus. Aber die Landschaft ändert sich ständig, von Vulkanlava-Mondlandschaften bis zu grünen Wiesen sinds oft nur ein paar Kilometer.
Um Island geht eine einzige gut gepflegte und geteerte Ringstrasse, praktisch alles andere ist Schotter. Wir sind dann noch zu einem Gletscher hingefahren, da gab’s dann nicht mal mehr Schotter. Die Strasse bestand daraus dass man halt auf 5 Meter Breite die größten Lavabrocken weggeräumt hat. Aber Verkehrszeichen haben sie dann hingestellt
Man konnte dann relativ nah an den Gletscher fahren. Der Wind war hier unheimlich stark, Michael hat’s z.B. die korrekt montierte Schutzklappe seiner Kamera weggeweht, und die ist nicht mehr aufgetaucht. Wir sind dann noch ein bisschen da herumgeklettert, ich Hirsch hatte natürlich meine weißen Turnschuhe angezogen und prompt mit beiden Füssen 15 cm in ein tiefes Matschloch gelatscht. Dafür durften wir dann mit kalten (und ich dazu noch mit _nassen_) Füßen unser Auto suchen , weil wir uns nicht genau gemerkt hatten wo der Parkplatz war und in der hügeligen Moränenlandschaft sieht man ja nix… Letztendlich haben wir’s aber gefunden bevor ich ernsthafte Frostschäden erlitten habe
Dann mussten wir leider zurück, haben uns noch nen Burger geholt (wir haben uns quasi ausschließlich von McDo ernährt, weil alles andere unerschwinglich teuer war; ach ja und von geklauten Brötchen vom Frühstückstisch. Am letzten Tag ist Michael erwischt worden und der Hotelmanager hat uns angepfiffen und meinte er sollte es zurücklegen. Wir sind dann schnell rausgeflutscht und haben was von “Bus ist da” gerufen.
Das Hotel war aber super in Ordnung, ich hab gesehen wenn man es normal bucht kostet es 125 Euro die Nacht… Weiß der Geier wie das Reisebüro unseren Preis hinbekommen hat.
Tja und am nächsten Morgen, nach “erholsamen” 4 Stunden Schlaf haben wir uns dann zum Flieger geschleppt und sind wieder nach Paris gejettet
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